Hase, Lepanthropie

Der Teufel verwandelt die Hexen manchmal in ein Tier, meist in einen Wolf, mit dem offensichtlichen Ziel, Menschen und Tieren zu schaden (siehe «Tiere» und «Werwolf»). Es kann sich aber auch um ein scheinbar ungefährlicheres Tier handeln: den Feldhasen, wie im Fall von Thienne Pichelu aus Réclère im Jahr 1612. Zeugen berichten, sie hätten aus ihrem Haus einen Hasen kommen sehen, der das gesamte Dorf mit seinen merkwürdigen Sprüngen und seiner vollkommenen Furchtlosigkeit beunruhigt habe – er habe sogar den Hunden Angst eingejagt! Unter Folter gesteht Thienne, ihr Dämon habe sie verwandelt, indem er ihr eine Hasenhaut auf den Rücken geworfen habe, und sie lange Stunden als Hase belassen. Sie macht keine Angaben zur Absicht, aber man erahnt, dass es darum ging, mit dem widernatürlichen Verhalten des Tieres in der anständigen Bevölkerung Entsetzen auszulösen. 1788, lange nach dem Ende der Hexenverfolgung, besteht der Glaube an Lykanthropie im Volk weiter, wie ein ironischer Brief des Obervogts der Freiberge belegt, der dem Hofrat die Aussage eines gewissen Pierre Ignace Dodiellet aus Les Breuleux vorlegt. Dieser gibt an, auf einen Feldhasen mit verdächtigem Verhalten geschossen zu haben, der sich darauf in eine unbekannte Frau verwandelt habe, die im Dialekt von Erguël gesprochen habe. Obwohl die Angelegenheit in der Vogteibevölkerung für Unruhe sorgt, legt der Generalstaatsanwalt sie mit einem ebenso lapidaren wie geringschätzigen Kommentar zu den Akten.

Mehr zum Thema: B 168/16-33.1, s. 1, 2 oder 9, Z. 23-27 (Thienne Pichelu) und B 168/18-12.6, S. 2 (bösartiger Hase); Fall von 1788: B 168/20-4.1 (Brief des Obervogts de Kempf) und B 168/20-4.2 (Aussage von Dodillet und Kommentar des Staatsanwalts).

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