Werwolf (Lykantropie)
Werwölfe kommen in den Kriminalakten, die im Archiv des ehemaligen Fürstbistums Basel erwähnt werden, nur im Rahmen der Hexenprozesse vor und zwar Menschen – hauptsächlich männliche Hexer – die vom Teufel in einen Wolf verwandelt werden. So jagt Girard Grosgirard dem Probst von Grandgourt und zukünftigen Abt von Bellelay, Jean Simon Feunat, in den 1560er-Jahren eine Heidenangst ein. Hans Marquis wird 1651 von der Bevölkerung Merveliers bezichtigt, sich in einen Wolf zu verwandeln. Der interessanteste Fall ist aber derjenige einer Frau aus Cormoret: Anne Busset erklärt 1634, wie der Teufel vorgeht. Er gibt ihr als erstes ein «Gebräu» zu trinken und eine Art Brot zu essen, das stinkt wie Pferdemist. Dann lässt er sie in eine Wolfshaut «schlüpfen». Sie spürt ein Kribbeln am ganzen Körper und versteht, dass sie zum Wolf geworden ist. Sofort verhält sie sich wie einer und macht sich auf, einen Ochsen auf der Weide zu töten und zu fressen. Doch der Besitzer des Tieres taucht auf und schlägt sie mit einem Stock. Der Zauber ist also gebrochen und Anne nimmt sofort wieder menschliche Form an – was sie als Hexe verrät. Ihr angebliches Geständnis stellt eine wertvolle Quelle zum damaligen Volksglauben und den darin herrschenden Vorstellungen dar.
Mehr zum Thema: PCrim A 1585 (Grosgirard, Dok. um 1585, S. 7). PCrim MG 52 (Hans Marquis). Anne Busset: PCrim E 163-1, S. 1; PCrim E 163-2, S. 2, Z. 12-18; PCrim E 163-3, S. 1 und PCrim E 163-5, S. 1, Z. 11-18. Andere Fälle: B 168/17-23.3, S. 4, Z. 18-19 und S. 7, Z. 6-9 (Henri Monnin); B 168/15-15.1, S. 6 (Claude Gibotet).