Nadel (Hexennadel)

Auch wenn die Angeklagten in der Regel frei erfundene Verbrechen gestehen, so kommt es vor, dass sie mehr oder weniger suspekte Zauber oder Praktiken erwähnen, die sie anscheinend tatsächlich angewandt haben. So auch im Fall von Marguerite Cheval aus Pruntrut, die 1589 verbrannt wurde. Sie erklärt, es gebe ein höheres Mittel, mit dem eine Frau verhindern könne, von ihrem Mann geschlagen zu werden: Sie müsse eine Nadel auf sich tragen, die sie zuvor in das Leichentuch eines Mannes gesteckt habe. Dieser Talisman beruhige unweigerlich den jähzornigen Mann oder lenke seine Schläge ab … Obwohl an der Wirksamkeit dieses Mittels gezweifelt werden kann, so zeugt es doch von einer Zeit, in der häusliche Gewalt gegen Frauen äusserst verbreitet und beinahe die Regel war. Es zeugt auch von Volksglauben und -praktiken, die mehr oder weniger verbreitet waren und die wir nur sehr schlecht kennen.

Mehr zum Thema: verschiedene Versionen der Nadelgeschichte (Fr): Geständnisse von Marguerite, PCrim Py II 22-2, S. 14, Z. 23-29 und PCrim Py II 22-3, S. 4, Z. 13-20. Zeugenberichte: PCrim Py II 22-1, S. 4 und 5 (S. 3 und 4 Transkribus), S. 11 (S. 10 Transkribus), Z. 30-51. Todesurteil: PCrim Py I/2, f. 27 (S. 55 Transkribus), 1589, 11. Oktober.

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